Ohrgeräusche im Kopf berühmter Persönlichkeiten


Foto: Gerd Altmann

Ohrgeräusche als Stimme des Teufels

„Niemand glaubt mir, wie viel Qual mir der Schwindel, das Klingeln und Sausen der Ohren verursacht. Ich wage nicht, eine Stunde ununterbrochen zu lesen, auch nicht etwas klar zu durchdenken oder zu betrachten; sogleich ist nämlich das Klingeln da und ich sinke der Länge nach dahin.“ Wer da von seinem Rauschen im Ohr berichtet ist der Reformator Martin Luther (1483 – 1546), der glaubte die Ursachen für seine Ohrgeräusche sei die Stimme des Teufels.

Eine der spektakulärsten Folgen einer Tinnitus Erkrankung soll sich im Leben des niederländischen Malers Vincent van Gogh (1853 – 1890) ereignet haben. Dieser soll sich im Alter von 35 Jahren, weil er unter Ohrensausen und Morbus Menière litt, das rechte Ohr abgeschnitten haben.

Biographien und Erfahrungen von Menschen mit Tinnitus bei 

Ludwig van Beethoven 1770 – 1827 schilderte seine Ohrgeräusche, die mit einer Hyperakusis und Schwerhörigkeit, später auch Taubheit einhergingen in einen Brief an seinen Freund Franz Gerhard Wegeler folgendermaßen: „ nur meine Ohren, die sausen und brausen Tag und Nacht fort; ich kann sagen, ich bringe mein Leben elend zu, seit 2 Jahren fast meide ich alle Gesellschaften, weils mir nun nicht möglich ist, den Leuten zu sagen, ich bin taub, hätte ich irgend ein anderes Fach, so gings noch eher, aber in meinem Fach ist das ein schrecklicher Zustand.“

Der böhmische Komponist Bedrich Smetana (1824 – 1884) schrieb über seine Ohrgeräusche: „Die größte Qual bereitet mir das fast ununterbrochene Getöse im Inneren, das mir im Kopf braust und sich bisweilen zu einem stürmischen Gerassel steigert. Dieses Dröhnen durchdringt ein Gekreisch von Stimmen, das mit einem falschen Zischen beginnt und bis zu einem furchtbaren Gekreisch ansteigt, als ob Furien und alle bösen Geister auf mich losfahren würden.“ Er wurde später taub, aber das Ohrensausen war immer noch ständig da und der Tinnitus hat ihn bis an sein Lebensende begleitet. Smetana hat seinem Leiden unter Tinnitus ein Streichquartett        ( No. 1 e minor ) gewidmet und in dieser Komposition seine Ohrgeräusche musikalisch beeindruckend ausgedrückt. Es trägt den Titel „Aus meinem Leben“. Bei Youtube: 

Auch bekannte Personen unserer Zeit haben Ohrgeräusche.

Kennst Du Captain Kirk? Der als Kommandeur von „Raumschiff Enterprise“ bekannte Schauspieler William Shatner ist durch seine Tinnitus Erkrankung in eine tiefe Lebenskrise gestürzt. Nach einem Explosionseffekt bei den Dreharbeiten zur Star Trek Episode „Arena“ veränderte sich sein Leben durch ein Knalltrauma schlaghaft. Von diesem Knalltrauma bekam der Schauspieler Ohrgeräusche. Shatner durchlebte einen besonders schweren Verlauf einer Tinnitus Erkrankung, die ihm Stress abbauen bei Tinnitus überhaupt nicht mehr möglich machte.

In einem amerikanischen Zentrum fürTinnitus und Hyperakusis fand Shatner schließlich eine Möglichkeit der Tinnitus Behandlung um die Ohrgeräusche nur noch als Hintergrundgeräusche wahrzunehmen und mit ihnen leben zu können. Heute engagiert er sich unter anderem für die „American Tinnitus Association“.

Viele bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben oder hatten Tinnitus: Phil Collins, Bob Dylan, Sting, Bono, Ronald Reagan (eh. Präsident der USA), Ozzy Osbourne, Barbara Streisand…

Viele Musiker leiden unter irgendeiner Form der Ohrgeräusche. Das hängt damit zusammen, dass sie durch ihren Beruf einem erhöhten Schallpegel ausgesetzt sind.

Es macht Mut, dass auch Prominente mit Ihrer Tinnitus Erkrankung in der Öffentlichkeit ganz ungezwungen umgehen und sich sogar in der Tinnitus Hilfe engagieren. Je häufiger Ohrgeräusche in der Öffentlichkeit thematisiert werden, desto größer wird das Verständnis für Menschen, die unter einer Tinnitus Erkrankung leiden.

Du stehst mit Deinem Leidensdruck durch Deine Ohrgeräusche nicht alleine da. Es gibt viele Menschen, die diesen Leidensdruck mit Dir teilen. Prominente Persönlichkeiten outen sich und machen Mut durch die Tinnitus Behandlung  den eigenen individuellen Weg aus der Krise heraus zu finden.

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